Fasten
Die Friedensgemeinde Norden wird vom 02.03. bis zum 07.03. eine Fasten- und Gebetswoche durchführen. Dabei ist wichtig, zu betonen, dass es a) mehrere Möglichkeiten des Fastens gibt und b) es jeder/jedem selbst überlassen ist, ob und wie er fasten möchte. Mich interessiert hier gerade vor allem die Frage: Warum wird Fasten auch im Neuen Testament häufiger mit Gebet verbunden? Und ganz grundsätzlich mit tiefgründiger Gotteserfahrung?
Jesus selbst beginnt sein öffentliches Wirken, unmittelbar nach seiner Taufe, mit einem 40tägigen Fasten in der Wüste (zumindest nach dem Bericht des Lukasevangeliums). Und am Ende dieser Fastenzeit schob er - klar - ordentlichen Kohldampf. Wahrer Gott, aber eben auch wahrer Mensch mit ganz banalen menschlichen Bedürfnissen, wie eben Hunger und Durst. Und gerade in dieser Situation versucht der Widersacher in der Geschichte, Jesus in Versuchung zu führen, seine Bestimmung aufzugeben - weil dieser Widersacher genau weiß dass Jesus in diesen Tagen körperlich schwach ist und die menschliche Natur sich mit Macht meldet.
Was macht Fasten so besonders? Nun ja, die erste und offensichtlichste Eigenart, ist, dass es persönliche Selbstdisziplin trainiert und damit klar auch Geduld. Fasten läuft ja nicht 'so nebenbei'; ich unterlasse das Stillen eines ganz grundlegenden menschlichen Bedürfnisses. Das mag unterschiedlichen Menschen unterschiedlich leicht fallen (oder schwer, je nachdem), aber ohne Herausforderung ist es nirgendwo. In der Regel war es so (bei mir zumindest), dass es nach dem 3. Tag etwas leichter fiel, wenn ich tatsächlich ganz verzichtet habe. Aber jeder Gang an einer geöffneten Bäckereitür vorbei wurde vorher zum geistlichen Kampf. 😉
Ein weiteres wichtiges Element des Fastens - und viel wichtiger -: Fasten intensiviert das Gebet. Ja, tut es. Warum? Weil ich aus einer ganz offensichtlichen Haltung des Bedürfnisses und des (selbst gewählten) Mangels vor Gott trete. In einer lang zurückliegenden Fastenzeit (das war bei einem Missionswerk und ich war im Ausland) trafen wir uns als Gruppe bewusst zu den Essenszeiten, um gerade da gemeinsam zu beten. Und ja, das waren intensive Zeiten. Nicht zuletzt, weil ich den persönlichen Eindruck hatte, man kann auch klarer denken, wenn der Körper nicht die ganze Zeit mit Verdauen beschäftigt ist.
Ein drittes: Fasten ist eine bewusste Ausrichtung auf Gott. Ich sage: Gott, du bist mir wichtiger als meine Grundbedürfnisse. Das heißt ja nicht, dass ich selbige außerhalb der Fastentage permanent vernachlässigen sollte. Und es wird auch nichts bringen, wenn Fasten (oder sonstige geistliche Übungen) auferlegt oder erzwungen werden; aber wenn freiwillig verzichte, dann kann ein Ort entstehen, an dem ich besser in der Lage bin, auf das zu hören, was Gott mir zu sagen hat.
Fasten ist auf ganz unterschiedliche Art und Weise möglich. Deshalb, gerade mit dem Blick auf die Gebetswoche, hier mal ein paar Ideen (Ideen, keine Befehle!), wie das praktisch aussehen kann:
1) Verzichte eine Woche lang komplett auf Social Media (Überrascht, weil es nicht direkt ums Essen geht? 😉) Meine Theorie: Je jünger du bist, desto schwerer wird dir 'Digital Detox' fallen. Aber es ist sehr hilfreich dabei, sich wieder in dieser Welt und in dieser Realität zu verorten, wo Gott halt nun mal anzutreffen ist - im 'Hier und Jetzt' ...
2) Verzichte auf Genussmittel oder Ablenkungen, die dich im Alltag begleiten: Alkohol und Nikotin sowieso, aber auch Kaffee (und für Ostfriesen besonders hart: auf schwarzen Tee). Halte Abstand von Schokolade und sonstigen Süßigkeiten. Lass den Fernseher aus und nutze die entstehende Zeit zum Lesen, zum Entspannen oder zum Gebet - oder mach einfach mal nichts und höre auf das, was Gott dir vielleicht sagen möchte.
3) Verzichte auf ein oder zwei Mahlzeiten. Definiere dir ein Zeitfenster, innerhalb dessen du etwas essen kannst (z.B. von 07.00 Uhr bis 13.00 Uhr) und verzichte den Rest der Zeit (das sogenannte 'Intervallfasten'). Nutze die frei werdende Zeit zum Gebet.
4) Verzichte komplett auf feste Nahrung. Wenn du das machst, dann ist es unerlässlich, viel (!) zu trinken, mindestens 3 Liter am Tag; Wasser, Tee; mit Wasser verdünnte Frucht- oder Gemüsesäfte oder auch Gemüsebrühe, um dich in deinen täglichen Verpflichtungen auf den Beinen zu halten.
Diese Art des Fastens (Nr. 4) ist nicht ratsam, wenn du 1) krank bist, vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes Typ 1, Gicht, Erkrankungen des Verdauungssystems, niedrigem Blutdruck oder wenn du in der Vergangenheit Probleme mit Essstörungen hattest (wie Anorexie oder Bulimie). Auch für über 65-jährige ist diese Art des Fastens nicht ratsam. Im Zweifelsfall frag noch mal nach und brich das Fasten sofort ab, wenn gesundheitliche Probleme eintreten wie z.B. Schwindel, plötzlich niedriger Blutdruck oder Schwermut und Niedergeschlagenheit.
Was kannst du anstatt von alledem machen? Da gibt es viele Möglichkeiten. Beten ist sicherlich die naheliegende, allein oder auch, in dem du dich mit ein, zwei anderen Leuten zum Gebet triffst. Nimm dir Zeit, die Bibel zu lesen - oder auch ein gutes geistliches Buch (ich bin der Ansicht, dass Lesen in unserer Zeit unterbewertet wird). Und vor allem: sei gerne abends dabei, wenn wir in der Woche vom 02. bis 07.03. uns zum Gebet treffen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Es ist für jede/jeden etwas dabei. Und nicht vergessen: Gott schaut nicht auf deinen Essenstisch, er sieht in dein Herz - und er sieht vor allem, die Motivation, die du durch deine individuelle Art des Fastens zum Ausdruck bringen möchtest!

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