Treue über Berg und Tal
Gelegentlich muss ich mal meinen Kopf durch die Luke stecken, die in unserer Garage auf den Garagendachboden führt. Dort befindet sich so einiges, was einen permanenten Ablageort benötigt. Und was mir vor kurzem dabei auffiel, war das Kinderfahrrad, mit dem unsere Kinder Fahrrad fahren gelernt haben. Tatsächlich ein einziges Fahrrad für alle fünf sukzessive! Ich sollte bei Gelegenheit der Herstellerfirma mal schreiben und ihr mitteilen, dass wir dieses Gerät härtegetestet haben und es die Herausforderung mit Bravour bestanden hat. Zur Zeit befindet es sich auf dem Garagendachboden zwischen zwei Bobby-Cars. Man weiß ja nie, wann sich die ersten Enkel anmelden ...
Ich kann mich in der Tat noch genau dran erinnern, wann dieses Fahrrad zum ersten Mal zum Einsatz kam: Das war an dem Tag, als meine älteste Tochter Fahrrad fahren gelernt hat. Auf Stützräder hatten wir verzichtet; wir sind gleich 'all in' gegangen. Wir waren also zu Besuch bei meinen Schwiegereltern, Fahrrad bereit, Helm auf und dann raus auf die Piste. Und dann ging's los:
Immer wieder fuhr sie los, kam ein paar Meter weit und stieg dann (oft unfreiwillig) wieder ab. Irgendwann war ihre Geduld erschöpft, sie legte das Fahrrad auf dem Gehweg ab, setzte sich schmolllippig auf den Bordstein und sagte: "Ich kann das nicht!"
Da waren väterliche Motivations-Skills gefragt. Mit viel gutem Zureden und einiger Geduld klappte es irgendwann doch: ich lief hinter dem Fahrrad her, bereit, jederzeit zuzupacken, wenn sie fallen würde. Irgendwann war sie zu schnell zum Hinterherlaufen und sauste die Straße auf und ab und teilte jedem Passanten, der es hören wollte (und den anderen auch) mit: "Schau mal, ich kann fahrradfahren!". Mittlerweile ist sie 22 und hat sowohl Motorrad- als auch Autoführerschein.
Diese Begebenheit kam mir in den Sinn, als ich vor kurzem oben zitierten Vers gelesen habe. Der stammt aus dem ersten Kapitel des ersten Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth. Und Paulus, der gerne opulente Grußadressen in seine Briefe schrieb, ist erst einmal dankbar dafür, und bringt das auch zum Ausdruck, dass Gottes Gegenwart in der Gemeinde und durch die Gemeinde sichtbar wird.
Nun war diese Gemeinde in Korinth alles andere als „pflegeleicht". Es gab so einige Herausforderungen (die sich in besagtem Brief noch entfalten), mit denen sie sich vor Ort und im Briefwechsel mit Paulus auseinandersetzen mussten. Es gab Leute, die Paulus an die Karre fahren wollten und seine Autorität als Apostel anzweifelten. Es wurden spürbare Unterschiede nach sozialer Herkunft in der Menschen in der Gemeinde gemacht, der Umgang miteinander war wohl auch nicht von der tollsten Sorte. Trotzdem ist Paulus für diese Gemeinde dankbar. Warum? Nicht, weil er sich krampfhaft Beispiele suchen muss, was da gut lief (die gab es ohnehin), sondern weil diese Gemeinde ein Teil der weltweiten Gemeinde von Jesus war.
„Gott ist treu". Das ist erst mal wichtig und eine Selbstaussage Gottes. Eine Eigenschaft, die er den Menschen und seiner Schöpfung gegenüber in Anspruch nimmt. Gott ist treu, und seine Treue ist von unserer Treue zu ihm glücklicherweise nicht abhängig. Er ist treu, wenn wir emotional so gar nicht mal spüren, dass er überhaupt da ist. Er ist treu, auch dann, wenn wir sauer oder wütend auf ihn sind. Er ist treu, wenn unser Lebensweg sich gestaltet wie bei einem Fahrrad-anfänger: Wackelig, vorsichtig, mit häufigen Stürzen und einigen Blessuren. Und seine Treue verschwindet nicht mal dann, wenn wir uns auf unserem Weg verirren. Sie läuft hinter uns her, bereit uns aufzufangen und uns wieder aufzurichten, wenn wir am Boden liegen.
Gott ist treu - auch dann, wenn wir subjektiv nichts davon merken. Und dieser treue Gott. von dem Paulus sagt, er wird dafür sorgen, dass wir mit unserem Glauben ans Ziel kommen, der hat uns berufen in die Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus. Keine Gemeinschaft, in dem ein permanenter Wettbewerb nach dem Besten (oder dem Frömmsten) herrscht, sondern eine Gnadengemeinschaft, die die Folge von Gottes Treue ist.
Und diese Gnade schenkt uns Leben, wie wir es in einem unserer Lieder so schön singen. Lass mich dir das zusagen: Gott ist treu! Gott ist DIR treu - in jeder Lebenslage!
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